1926 1959 1965 1973 1978 1985 1991 1995

1926

1926 Am Fuße des Apennin in Borgo Panigale (Bologna, Italien) entsteht die Firma "Società Scientifica Radiobrevetti Ducati". Gegründet von Adriano und Marcello Ducati befasst sie sich anfangs mit der Herstellung von Kondensatoren, Röhren und anderen Radio-Bauteilen.

1939 Der Betrieb wächst beständig und beschäftigt mittlerweile über 7000 Arbeiter.

1940 Ducati stellt nach dem Eintritt Italiens in den 2. Weltkrieg die Produktion auf Rüstungsprodukte wie Artilleriegeräte, Zielvorrichtungen und Funkausrüstungen um.

1943 Ducati beschäftigt mittlerweile mehr als 9000 Arbeiter. In Turin bei SIATA beginnt der Jurist, Techniker und Journalist Aldo Farinelli mit der Entwicklung eines leichten Hilfsmotors für Fahrräder. Da alle "nicht kriegswichtigen" Forschungen verboten sind, müssen diese Entwicklungen im geheimen passieren. Seine Idee war es, nach Beendigung des Krieges ein billiges motorisiertes Fahrzeug mit geringem Benzinverbrauch, geeignet für niedrige Treibstoffqualitäten herzustellen und zu verkaufen. Farinelli nannte dieses Projekt "Cucciolo" – zu deutsch "Hündchen".

1945 Am 26. Juli, nach Beendigung des Krieges, wird das erste Cucciolo vorgestellt. Diese erste Neuentwicklung am Kfz-Sektor im Nachkriegseuropa wird von einem 4-Takt-Motor mit 48 ccm, 1 PS bei 4800 Umin, und nur 7,8 Kg Gewicht angetrieben. Die Familie Ducati scheidet in diesem Jahr aus dem Betrieb aus und das Institut für industriellen Wiederaufbau (IRI) – die Verwaltung aller staatlichen Industriebeteiligungen – übernimmt die Kontrolle von Ducati. Man sucht für die vom Krieg stark zerstörte Fabrik in Bologna neue Aufgabengebiete und gründet eine Entwicklungsabteilung, die bald danach eine aufsehenerregende Taschenkamera vorstellen kann. Der Markt für Produkte dieser Art erweist sich als noch nicht aufnahmefähig und so wird diese Ducati Micro-Kamera nur bis Ende der 40er Jahre gebaut. Mittlerweile werden in Turin bei SIATA bereits die ersten Cucciolos gefertigt.



Fahrrad mit Cucciolo-Hilfsmotor / Cucciolo Motor


1946 Die IRI stellt die Verbindung zwischen Ducati und SIATA her und man verhandelt über die Produktion von Cucciolo-Motoren. Nach Vertragsabschluss beginnt Ducati mit der Motoren-Produktion. 1946 werden 15.000 Stück gefertigt 1949 bereits 60.000 und 1950 unglaubliche 200.000 Stück. Später wird auch der Vertrieb der Cucciolos gegen Bezahlung von Lizenzgebühren über Ducati abgewickelt werden.

1948 Die ersten sportlichen Erfolge mit Cucciolos werden errungen. Amilcare Bonfanti gewinnt damit 5 Rundstrecken-Rennen, Bianca Germonio gewinnt das Langstreckenrennen Mailand-San Remo in der 50ccm Klasse und Giulio Drei gewinnt die ersten internationalen MotoCross-Rennen.

1949 Durch seine sportlichen Erfolge erreicht das Cucciolo internationale Popularität und man beginnt mit dem Export dieser Fahrzeuge.

SPORT Beim Bergrennen auf den Monte Mario wird die Leistungsfähigkeit der kleinen 4-Takt-Cucciolo-Motoren unter Beweis gestellt. Giuseppe Flemini gewinnt die 50ccm-Klasse und Romano Levantini die 60ccm-Klasse.

1950 Die Ducati 60 Sport wird vorgestellt; das erste von Ducati komplett gefertigte Motorrad, angetrieben von einem Cucciolo-Motor.

1952 Auf der Mailänder Messe wird der Ducati Cruiser-Roller vorgestellt. Das Design für diesen ersten 4-Takt-Roller am Markt kommt vom bekannten Luxuswagen-Hersteller Ghia. Der quer zur Fahrtrichtung eingebaute 4-Takt-Motor ist eine Entwicklung von Giovanni Fiorio. Mit liegendem Zylinder, Elektrostarter, Automatikgetriebe, hydraulischer Kupplung und Triebsatzschwinge war der Cruiser zu diesem Zeitpunkt der aufwendigste Roller und wurde als die interessanteste Neuvorstellung der Messe bezeichnet. Trotzdem konnte sich der Ducati-Cruiser-Roller gegen die starke Konkurrenz von Lambretta und Vespa nicht durchsetzen. Bei der Entwicklung orientierte man sich zu sehr an Motorrädern. Durch seinen Viertakt-Motor war er wesentlich serviceaufwendiger und sein verhältnismäßig hohes Gewicht machte ihn zudem noch unhandlich. Qualitätsprobleme waren für diesen Misserfolg mitverantwortlich und man stellte die Produktion nach wenigen tausend Stück zwei Jahre später wieder ein.

SPORT Alle Geschwindigkeitsrekorde in der 50ccm-Klasse werden von 1952 - 1957 mit Cucciolos gefahren



Ducati 48 Sport und Ducati Cruiser (175ccm Viertakt-Roller)


1953 Die Firma teilt sich in Ducati Meccanica Spa. und Ducati Eletronica Spa. Giuseppe Montano übernimmt Ducati Meccanica und wird deren Geschichte in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen. Noch im selben Jahr gründet er die erste Rennabteilung bei Ducati. Seine Idee, Rennmaschinen von Serienmaschinen abzuleiten, wird bei Ducati bis heute umgesetzt.

1954 Die Verkaufsentwicklung der im Hubraum auf 98ccm gesteigerten Fahrzeuge verläuft positiv. Es werden täglich 120 Fahrzeuge produziert. Ein neuer Chefkonstrukteur und technischer Direktor wird vorgestellt. Fabio Taglioni – von Mondial zu Ducati gewechselt – wird in den nächsten 30 Jahren die Entwicklung der Ducatis maßgeblich beeinflussen. Man kann ihn als Vater des Baukastensystems, einer Grundlage des Ducati-Erfolges, bezeichnen. Taglioni sagte einmal: "ein guter kleiner Motor ergibt einen besseren großen" und nach dieser Devise konstruierte er z.B. den Kurbeltrieb so, daß dieser von 100 - 486ccm gleich war.

SPORT Die ersten internationalen Offroad-Erfolge werden mit einer Ducati 98 Sport erzielt. Giovanni Malaguti und Alberto Farné belegen bei den Six Days in Wales den zweiten Platz.

1955 Die Ducati Gran Sport, die erste Taglioni-Konstruktion mit Königswellenantrieb und obenliegender Nockenwelle, wird vorgestellt. Taglioni verwendet erstmals bei den Rennmotorrädern das Emblem von Barracca, ein aus seiner Heimatstadt Lugo stammender berühmter Jagdflieger aus dem 1. Weltkrieg. Dieses springende Pferd wird auch von der Scuderia Ferrari verwendet und zum Markenzeichen von Ferrari werden.

SPORT Degli Antoni gewinnt mit einer Ducati Gran Sport den Giro Italia in der 100ccm-Klasse und zwei Wochen später das erste Rundstreckenrennen in Imola.


Britax-Hurrican-Rennmaschine mit 50ccm Cucciolo-Motor
Das gesamte Motorrad mit Aluminiumverschalung wog nur 40 kg


1956 Fabio Taglioni beginnt mit der Entwicklung der "Desmodromik", einer Zwangsventilsteuerung. Desmodromik kommt vom griechischen "Desmos Dromos" und bedeutet "kontrollierte Bewegung".

SPORT Giuliano Maoggi gewinnt den Giro Italia mit einer Ducati Gran Sport 125. Am 30. November stellen Mario Carini und Sandro Ciceri mit ihrer 100ccm Gran Sport Marianna "Stromlinien-Rennmaschine" 44 Weltrekorde in den Klassen 100, 125, 175 und 250 ccm auf. Der Geschwindigkeitsrekord liegt bei unglaublichen 171,91 km/h.

1957 Die Ducati Gran Sport 125 erweist sich als äusserst robust und wird mit Erfolg bei Langstreckenrennen eingesetzt. Beim 24-Stunden-Rennen von Barcelona stehen 5 Ducati Gran Sport 125 am Start. Gandossi/Spaggiari gewinnen, die anderen vier belegen die Plätze 2 bis 5. Giuliano Maoggi gewinnt zum zweiten Mal den Giro Italia und Alberto Farné wird italienischer Juniorenmeister.

1958 Alberto Gandossi gewinnt in Hedemora/Schweden mit einer 125er DOHC-Desmo-Rennmaschine den ersten Grand Prix für Ducati. Nach weiteren Grand Prix-Siegen in England, Deutschland, Holland, Frankreich, USA, Irland, Chile, Venezuela, Argentinien, Belgien, Italien, Jugoslawien wird er zu Jahresende hinter Ubbiali (MV Agusta) Vizeweltmeister. Die Fahrer Mandolini/Maranghi gewinnen das 24-Stunden-Rennen von Barcelona, Alberto Farné wird italienischer Juniorenmeister und Bruno Spaggiari italienischer Meister in der 125er Klasse – alle mit einer Ducati Gran Sport 125. Zu Saisonende werden noch erste Tests mit einer 125er-Zweizylinder Desmo-Maschine durchgeführt.



Links oben: Mario Carini und Sandro Ciceri mit ihrer Nardi-Stomlinien-Gran Sport
Links unten: 1955, Speedway-Motorrad mit Ducati Motor
Rechts: Funktionszeichnung zum Aufbau der Desmodromik




Links oben: Fantuzzi mit Mechaniker (1957).
Rechts oben: Gianni Degli Antoni 1957 in Faenza auf der Ducati 125 DOHC-Werksmaschine
(er belegte Platz 2 hinter Ubbialis MV Agusta)
Rechts Mitte: Mike Hailwood 1957 beim Ulster-Grand Prix mit seiner 125er Desmo. Er gewinnt dieses Rennen
überlegen und fährt einen neuen Rundenrekord mit 137,3 km/h Schnitt.
Unten: Startaufstellung: 4 Copeta (MV Agusta), 3 Ubbialli (MV Agusta), 14 Nava (Mondial), 8 Ferri (Zweizylinder-Gilera),
5 Venturi (MV Agusta), 9 Artusi (Ducati), 10 Degli Antonio (Ducati)